Solidarität mit dem PiA-Streik in Mannheim

Veröffentlicht am 07.12.2011 in Pressemitteilungen

Bundesweit gehen derzeit die PsychotherapeutInnen in Ausbildung (kurz PiAs) auf die Straße um für eine gerechte Entlohnung während der Praxisphase ihrer Ausbildung zu kämpfen. Auch an großen Mannheimer Kliniken wird am zentralen Protesttag, dem 8. Dezember, von Seiten der PiAs die Arbeit niedergelegt. Die Juso-Hochschulgruppe Mannheim und der Juso-Kreisverband Mannheim erklären ihre Solidarität mit den streikenden PiAs und rufen zur Teilnahme an der zentralen Demonstration am 8. Dezember um 14 Uhr auf dem Paradeplatz auf.

Trotz abgeschlossenem Diplom- oder Masterstudium im Fach Psychologie werden PiAs meist weit unter ihren Qualifikationen und in keinem Verhältnis zu ihrer Arbeitsleistung bezahlt. Das zentrale Streikbündnis der PiAs in der Rhein-Neckar-Region gibt an, dass der örtliche Stundenlohn für PiAs im Durchschnitt bei etwa 1,77 Euro liegt. Dabei werden PiAs in der Regel wie voll ausgebildete Psychotherapeuten eingesetzt und lediglich mit Dumping-Verträgen abgespeist. Einige Kliniken, wie das Zentralinstitut für seelische Gesundheit, verzichten sogar vollkommen auf eine Vergütung ihrer PiAs. Diese Kliniken nutzen schamlos aus, dass die PiAs auf eine Klinikstelle angewiesen sind um den Nachweis ihrer praktischen Tätigkeit im Rahmen der Ausbildung erbringen zu können. Besonders schwerwiegend ist dieser Zustand unter dem Aspekt, dass für die Ausbildung selbst nochmals Ausbildungskosten zwischen 20.000 bis 80.000 Euro anfallen. Diese doppelte finanzielle Belastung treibt viele PiAs in weitergehende Abhängigkeiten von großen Kreditinstituten oder von zentralen Bezugspersonen. Dies stellt eine große psycho-soziale Belastung für die meisten PiAs dar.

"Es ist an den Klinikleitungen endlich einzulenken und einen fairen Lohn für gute und qualifizierte Arbeit zu zahlen." konstatiert Christian Dristram, stellvertretender Vorsitzender der Jusos Mannheim. Mit Blick auf die Situation in Mannheim ergänzt er: "Es ist ein Skandal, dass eine bundesweit renommierte Forschungsklinik wie das Zentralinstitut für seelische Gesundheit PiAs zum Nulltarif beschäftigt. Solch eklatanten Missbrauch von Fachkräften muss ein Riegel vorgeschoben werden."

Anja Seybold, Vorstandsmitglied der Juso-Hochschulgruppe, sieht auch die Politik in der Pflicht: "Langfristig können solche Dumpingverträge nur durch eine Gesetzesänderung verhindert werden. Eine Reform des Psychotherapeutengesetzes ist überfällig. Das Gesetz muss endlich um einen Passus ergänzt werden, der eine adäquate Vergütung während der praktischen Tätigkeit vorsieht. Es muss Fachkräften möglich sein von ihrer Arbeit nach dem Studium auch leben zu können. Alle Mannheimer Studierende und BürgerInnen sind dazu aufgerufen gemeinsam mit uns am 8. Dezember für eine gerechte Bezahlung der PiAs zu demonstrieren". „Egal ob Teilzeitstelle, Praktikum oder Ausbildung, für uns gilt der Grundsatz guter Lohn für gute Arbeit. Wir streiten dafür, dass dies auch endlich Realität wird“, so Dristram und Seybold abschließend.

 

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