3. Neue-Inländer-Stammtisch am 2. Juli 2008

Veröffentlicht am 21.07.2008 in Jusos in Aktion

Am 2. Juli fand im Cafe-Restaurant „Elit“ der dritte Mannheimer „Neue-Inländer-Stammtisch“ statt. Bei der von den Jusos Mannheim organisierten Veranstaltung stand der Berufseinstieg von Azubis mit Migrationshintergrund im Mittelpunkt. Hierzu berichteten Derya Kadem, Einzelhandelskauffrau, Ivan Curkovic, Industriemechaniker und Techniker sowie Ramzi Al-Roussan, Versicherungskaufmann in der Ausbildung, von ihren vielfältigen Erfahrungen.

Derya, als Tochter türkischer Eltern in Mannheim geboren und aufgewachsen, begann nach dem Abschluss der Realschule auf eigenen Wunsch eine Ausbildung. Die Eltern drängten zwar darauf das Abitur zu machen und zu studieren, aber das Verlangen nach Unabhängigkeit war bei der sympathischen jungen Dame weitaus stärker. Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz wurde Derya vom Ausbildungsverbund des ikubiz (Interkulturelles Bildungszentrum Mannheim gGmbH) unterstützt. „Dies ist auch beim später notwendig gewordenen Wechsel des Ausbildungsbetriebes geschehen und hat mir sehr geholfen“, erläutert Derya. Der 1996 gegründete Verbund hat sich zur Aufgabe gemacht das Ausbildungspotenzial in Migrantenunternehmen in der Region zu heben und gleichzeitig Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Suche eines Ausbildungsplatzes zu erleichtern. Inzwischen umfasst der Verbund mehr als 120 Unternehme und bietet für etwa 140 Jugendliche Hilfestellung.

Ramzi wurde nicht in Mannheim, sondern in Damaskus geboren. Seine Mutter, Tochter eines Syrers und einer Deutschen, hat dort mit ihrem Mann, einem Jordanier, gelebt. Im Alter von zwei Jahren kam Ramzi in die Quadratestadt gekommen. Als seine alleinerziehende Mutter aus beruflichen Gründen nach Berlin gehen musste, entschloss sich Ramzi die Schule mit der mittleren Reife zu verlassen und eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann zu beginnen. „Ich habe zwar zunächst Bedenken gehabt, aufgrund meines exotischen Namens oder meines südländischen Aussehens bei Bewerbungen oder später im Job benachteiligt zu werden“, erklärt Ramzi. Doch diese Sorge habe sich als unbegründet erwiesen. Jedoch bemerke er öfter eine gewisse Schwelle bei seinen Mitmenschen bemerken, doch sobald er sich mit ihnen das erste Mal intensiver unterhalte, werde diese abgebaut. Nach Beendigung seiner Lehre peilt der offene junge Mann das Abitur sowie ein anschließendes Jurastudium an.

1968 emigrierten Ivans Eltern aus Kroatien nach Heilbronn. Hier wurde Ivan 1984 geboren. Auch auf Drängen der Eltern, die eine schnelle und sichere Berufstätigkeit befürworteten, entschied sich der Heilbronner nach der Hauptschule eine Ausbildung zum Industriemechaniker zu beginnen. Seine Erfahrung als Migrant im Berufsleben sei, dass sich direkte ausländerfeindliche Angriffe leichter abwehren lassen als indirekte und unterschwellige Bemerkungen. Unangenehm empfindet Ivan, wenn andere Personen plötzlich beginnen gebrochen Deutsch mit ihm zu sprechen. „Außerhalb der Arbeitswelt ist es durchaus diskriminierend, wenn man mit Freunden in die Disco möchte und als einziger abgewiesen wird“, berichtet Ivan auch von negativen Erfahrungen. Er wisse zwar, dass die Türsteher über das Hausrecht verfügen, doch habe man keine Lust mehr anderweitig wegzugehen.
Die türkische Mutter eines 17jährigen Sohnes meldete sich mit einer ganz ähnlichen Beobachtung zu Wort. Nach ihrer Aussage würde in der Schule von Lehrern oft unterschwellig das Selbstbewusstsein von Migranten beschädigt. Beispielsweise durch die Äußerung eines Lehrers „im Islam ist es ja noch schlimmer“ im Zusammenhang mit bestimmten Verhältnissen in Indien. Sie beobachte, dass ihr Sohn mit der Zeit immer türkisch radikaler bzw. nationaler werde trotz ihrer neutralen Erziehung.
(UL)

 

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